Taxi 66666 Braunschweig
Parken auf Taxiständen in BS
Taxi-Halteplätze besetzt – Mann zeigt 120 Fahrer an
Klein-Unternehmer Klaus-Peter Hammer fühlt sich in seiner Existenz bedroht
Taxi-Unternehmer Klaus-Peter Hammer ist sauer. Ständig würden die Taxi-Halteplätze in Braunschweig durch andere Autos blockiert, sodass ihm Einnahmen entgingen. Aus diesem Grund hat Hammer bei der Stadt bereits 120 Fahrer angezeigt.
"Täglich muss ich mir meinen Arbeitsplatz erkämpfen", sagt der Taxifahrer und erzählt, was viele Parksünder vermutlich nicht wissen: "Ich kann einen Auftrag von der Zentrale nur vermittelt bekommen, wenn ich direkt auf einem Halteplatz stehe, da das Fahrzeug sonst nicht von der neuen Funktechnik erfasst wird." Der 49-Jährige betont: "Ich habe jedes Mal einen finanziellen Verlust, wenn ich nicht auf einen Halteplatz fahren kann. Mir gehen Aufträge verloren. Das ist Existenzklau!"
Hammer hat festgestellt: "Mitbürger, die schnell etwas essen wollen oder noch einen Weg erledigen müssen, stellen ihr Fahrzeug auf einen Taxenhalteplatz. Auch beim Weg in die IHK oder zur Bank werden die Plätze gern genutzt." Sogar Polizei-Fahrzeuge und Krankenwagen würden sich auf den Halteplatz am Bohlweg stellen, um Essen zu holen, erzählt der Braunschweiger, der seit elf Jahren als selbstständiger Taxi-Unternehmer sein Geld verdient.
Was ihn stört: Wenn er einige Falschparker auf ihr Fehlverhalten hinweise, werde er oft beschimpft. Hammer sagt: "Seit August habe ich 120 Ordnungswidrigkeiten weitergeleitet. Stellen Sie sich vor, 120-mal würde Ihnen jemand den Zugang zu Ihrem Arbeitsplatz nicht ermöglichen? Wie würden Sie sich fühlen?"
120 Parksünder bei der Stadt angezeigt – fühlen Sie sich nicht als Querulant oder Denunziant, Herr Hammer? "Ich mache das wirklich ungern", beteuert der 49-Jährige: "Aber die Halteplätze sind mein Arbeitsplatz – und den brauche ich."
Außerdem habe er im Sommer eine schlechte Erfahrung gemacht: Als er am Bahnhof auf einem für Taxen reservierten Halteplatz parken wollte, sei dieser durch ganz normale Fahrzeuge besetzt gewesen. "Ich habe mich dann woanders hingestellt und prompt ein Knöllchen gekriegt." Seitdem schreibe er Parksünder auf, sagt Hammer und hofft künftig auf mehr Verständnis für die Situation der Taxifahrer. Seine Klage: "Von der Stadtverwaltung werden wir überhaupt nicht akzeptiert."
Die Verwaltung weist diesen Vorwurf zurück. "Die Taxistände werden von den Politessen der Stadt Braunschweig im Rahmen ihrer Kontrollen regelmäßig überwacht. Verstöße gegen das Halteverbot werden angezeigt und geahndet", sagt Sprecher Rainer Keunecke.
Nach einem Blick in die Straßenverkehrsordnung erläutert er: Grundsätzlich dürften auf Taxiständen nur Taxis stehen. Es gebe aber gesetzlich geregelte Ausnahmen. Polizei und Rettungsdienste dürften im Halteverbot und somit auf Taxiständen parken, wenn sie im dringenden Einsatz seien.
Ausnahmegenehmigungen für das Parken auf Taxiständen würden von der Stadt nicht erteilt. Lieferwagen dürften dort also nicht halten.
Quelle: Marc Rotermund, Braunschweiger Zeitung vom10.12.2009